Wann verwendet man eigentlich „wann“, „ob“, „wenn“ und „als“?

Mittlerweile unterrichte ich seit dreieinhalb Jahren Deutsch und habe dabei gemerkt, wie oft meine Schüler an „wenn“, „ob“, „wann“ und „als“ verzweifeln. Im Grunde gibt es dafür ziemlich klare Regeln, welche ich hier einmal erklären möchte. Im ersten Schritt werde ich die Verwendung im Deutschen ganz allgemein erklären, danach gehe ich gezielt auf die Verwendung aus der Sicht einiger anderer Sprachen ein1. Also, fangen wir ohne großes Tamtam an:

„Wann“ verwenden wir für eine Uhrzeit, einen Termin oder eine ganz konkrete Situation.

  • Wann kommst du morgen nach Hause?
  • Können Sie mir sagen, wann der Zug nach Berlin abfährt?
  • Wann verwenden wir „wenn“ und wann verwenden wir „wann“?
  • Wir wissen noch nicht, wann wir wieder nach Spanien fliegen.
  • Wann hast du angefangen, für diese Firma zu arbeiten?

„Wenn“ leitet immer einen Nebensatz ein und wird verwendet…

… für hypothetische Situationen,…

  • Wenn ich im Lotto gewinnen würde, würde ich das Geld anlegen.
  • Wenn du mehr gelernt hättest, wäre die Prüfung kein Problem gewesen.

… in der Bedeutung von „sobald“…

  • Wenn ich losfahre, rufe ich dich kurz an.
  • Gib mir bitte Bescheid, wenn du mit der Arbeit fertig bist.

… und für wiederholte(!) Situationen in der Vergangenheit. In diesem letzten Fall muss es theoretisch möglich sein, „jedes Mal“ oder „immer“ vor „wenn“ zu setzen, anderenfalls ist „wenn“ nicht die richtige Wahl für die Vergangenheit.

  • Wenn ich meine Großeltern besucht habe, haben sie mir immer vom Krieg erzählt.
  • Wenn wir zusammen in den Urlaub gefahren sind, sind wir immer nach Spanien gegangen.

„Als“ verwenden wir, wenn wir von einer Situation in der Vergangenheit erzählen, die sich nicht wiederholt. Auch „als“ leitet einen Nebensatz ein.

Wichtig ist dabei, dass sich unsere Erzählung nur auf diese eine Situation bezieht, auch wenn es eventuell mehrere Situationen in der Vergangenheit gegeben hat. Ebenfalls wichtig ist, dass eine Situation einen langen Zeitraum andauern kann, deshalb aber trotzdem nur eine Situation ist.

  • Als ich letztes Jahr in Spanien war, habe ich sehr viel Spanisch gelernt.
  • Als er heute früh angerufen hat, um zu sagen, dass er krank ist, klang er kerngesund.
  • Als Kind war ich sehr oft auf dem Spielplatz.
  • Als ich noch in der Schule war, hatten wir strengere Lehrer.

Wichtig ist hierbei, dass sich unsere Erzählung nur auf diese eine Situation bezieht, auch wenn es eventuell mehrere Situationen in der Vergangenheit gegeben hat. Nehmen wir zum Beispiel diesen Satz:
„Als ich letztes Jahr in Spanien war, habe ich sehr viel Spanisch gelernt.“

Es kann sein, dass ich in der Vergangenheit schon 20 Mal in Spanien war und vielleicht auch nicht nur letztes Jahr, sondern auch vor zwei oder drei Jahren. Dieser Satz sagt aber, dass ich bei meinem Spanienaufenthalt letztes Jahr viel Spanisch gelernt habe. Ich beziehe mich mit „als“ auf diese eine Situation in der Vergangenheit.

Wenn ich sagen möchte, dass ich in der Vergangenheit schon oft in Spanien war und dass ich bei jedem Spanienaufenthalt immer viel Spanisch gelernt habe, dann sprechen wir von einer wiederholten Handlung und einer Tatsache, die auf jede dieser Situationen zutrifft: in dem Frall brauchen wir „wenn“, weil wir auch sagen könnten „jedes Mal, wenn“:
„Wenn ich in Spanien war, habe ich immer sehr viel Spanisch gelernt.“

„Ob“ leitet ebenfalls immer einen Nebensatz ein, wird aber typischerweise für Ja/Nein-Fragen beziehungsweise Entscheidungen verwendet. Dies ist die häufigste und somit wichtigste Verwendung von „ob“.

  • Ich weiß noch nicht, ob ich morgen auf die Party gehe. (Gehe ich? Ja oder Nein?)
  • Weißt du, ob es morgen warm werden soll? (Ja oder Nein?)
  • Kannst du mir sagen, ob er lieber Gemüse oder Fleisch isst? (Obwohl man auf diese Frage logischerweise mit „Fleisch“ oder „Gemüse“ antworten würde, ist die Frage eigentlich, ob die Person es sagen kann, also auch wieder Ja oder Nein.)
  • Ich weiß nicht, ob das blaue oder das schwarze Hemd besser aussieht. (Hier geht es um die Entscheidung zwischen bestimmten zur Wahl stehenden Dingen, es ist also keine offene Frage.)

  1. Dieser Teil folgt noch. 😉 ↩︎

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